Öffentliches Bauwerk · November 2025


im Auftrag der Gemeinde Schwallungen
gefördert durch LEADER Henneberger Land

Bauleitung und Vergabe: Sven Scharfenberg, BGS Architekten
Tragwerksplanung KIG Meiningen


Das Friedhofsareal ist in sechs Flurstücke zergliedert und nur zum Teil im Gemeindeeigentum. Es blieben daher nur wenige geeignete Orte. Der Standort des alten Gebäudes, am Übergang zwischen unterem und oberem Friedhofsteil, erwies sich als Optimum. Das zugehörige Grundstück ist knapp bemessen und deckt gerade so den Bedarf. Die Außenwände des Neubaus zeichnen somit fast exakt die Grundstücksgrenzen nach.

Unser Anspruch war es, einen angenehmen und würdevollen Ort zu schaffen, der sich nicht aufdrängt und dennoch als besonderes Gebäude in der Gemeinde erkennbar ist. Das klassische Satteldach fügt sich wie selbstverständlich in das Umfeld ein - genauso wie der traditionelle Sandsteinsockel. Auf diesem sitzt der hölzerne Baukörper.

Holz ist lokaler Rohstoff, der in der Region tief in der handwerklichen Tradition verwurzelt ist. Der Rohstoff Holz wird jedoch größtenteils andernorts - oft in Süddeutschland oder Österreich - weiterverarbeitet und dann veredelt (in Form von Leimholzbindern und Dreischichtplatten) teuer wieder eingekauft. Daher haben wir uns hier für ein einfaches, aber effizientes Konstruktionsprinzip entschieden: Die Tragwerksrahmen wurden aus einzelnen, handlichen Vollholzprofilen zusammengesetzt und mit gemeindeeigener Technik, ohne Spezialkran, aufgerichtet. Dieses Tragwerk wurde innen und außen größtenteils von einer schützenden Holzschalung eingehüllt. Alles oberhalb des Sockels besteht somit fast ausschließlich aus Holz - auch die Dämmung.

Der Neubau richtet sich wie der Altbau mit seiner Giebelseite zum Zuweg - diese bildet dann auch die Hauptfassade mit dem charakteristischen Fassadendekor und einem offenen, einladenden Eingangsbereich, der auch außerhalb von Trauerveranstaltungen für eine wettergeschützte Pause offen steht.

Die Trauerhalle ist zwar ein weltlicher Ort. Gleichzeitig hat der Tod jedoch für uns alle etwas Mystisches, Unbegreifliches, Spirituelles. Dem wollten wir einen Ausdruck verleihen ohne auf klar religiöse Symbole zurückzugreifen.

Zum einen nutzen wir dafür das schmückende Dekor mit den beiden halbrunden Giebelöffnungen und dem in die Holzverschalung eingebrachten Lochmuster. Es symbolisiert auf eine abstrakte Weise eine höhere Kraft und ein Strahlen und Hinübergleiten in etwas, das wir nicht greifen können. Die hinterlegten Kupferplatten lassen dieses Motiv im Innenraum zusätzlich je nach Licht und Blickwinkel auf geheimnisvolle Art schimmern.

Zum anderen soll die Raumabfolge mit ihren drei Zonen eine gewisse Spiritualität vermitteln:
– der Vorbereich, offen zur Gemeinde, als Raum der irdischen Welt,
– der Aufbahrungsbereich als eine Art spiritueller Raum,
– und der Bereich für die Trauergäste dazwischen als Übergang zwischen beiden Welten.

Letzlich die natürlichen Oberflächen aus Holz und Sandstein. Sie sollen mit ihren warmen, erdigen Tönen Ruhe und Geborgenheit ausstrahlen. Und sie sollen dem Gebäude das ermöglichen, was wir uns wahrscheinlich alle wünschen: in Würde zu altern.


Bilder: TAKTAK